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1. Alte Herren

Stand heute wieder im Mittelpunkt, hielt die Jungs aber mit saustarken Paraden im Spiel: "Ersatzholzkatze" Marco
So stellt man sich eine gut strukturierte Abwehr (nicht) vor. Der angerührte Beton war leider nicht hart genug.
Seine zwei Treffer gerieten zur Nebensache. Die Glatze wurde gleich nach dem Spiel von der Polizei abgeführt: Zum zünftigen Junggesellenabschied.
Mit den fröhlichen "Junggesellen-Verabschiedern" kam sofort Stimmung in die Rotationsbude. Hackepetersemmeln, Bier und Himbeerbrause wurden aufgetafelt. Ein Widersehen gabs mit Exilsportfreund Rico Wendland.

 

08.04.2017 TSV Rotation Dresden - SG Gebergrund Goppeln 3:2 (2:0)

 

Heute wird alles ganz anders - Kann mal jemand das Tor bisschen größer machen

Nach den wenig erfolgreichen letzten Begegnungen säuselte der Goppeln-Spielmacher dem Berichterstatter noch vor der Partie gegen Rotation ins Ohr: "Heute wird alles ganz anders". Es wurde aber nicht ganz anders. Zumindest nicht in Bezug auf das Resultat. Obwohl es so knapp war, wie das Ergebnis aussagt. Dennoch gab es für Goppeln wieder keine Punkte. Es soll eben nicht sein. Die rote Laterne leuchtet heller denn je im Gebergrund.

Bedeckter Himmel empfing die Kicker auf der Schleifscheibe von Rotation. Der Rasenplatz blieb den besseren Fußballern vorbehalten und so mussten sich die Altherren ihre Knochen auf dem Hartplatz ruinieren. Die Kneipe gibts dort auch nicht mehr. Kein Kaffee, kein Bier, keine Bockwurscht - einladend ist anders. Coach Limbach musste auf Muffeltilo, die Mittelfeldachse und den Kaugummilatsch verzichten, hatte aber die restlichen Stammspieler zur Verfügung. Bis aufs Tor. Dort übernahm Marco wieder den Job von der Holzkatze. Und machte das einmal mehr mit Riesenreflexen sensationell gut. 

Nachdem der Schiedsrichter mit verschlafenem Gesicht doch noch eintraf, begann die Partie mit gut zehn Minuten Verspätung. Wie immer begannen die Goppelner defensiv ungeordnet. Allerdings dauerte es doch geschlagene neun Zeigerumdrehungen, bis der Gegner das ausnutzte. Ein schöner Pass nach vorn links und von dort schoss Kemple den Ball flach und nicht haltbar ins lange rechte Eck. Führung für Rotation, alles wie immer. Ganze vier Minuten später der identische Spielzug: Pass nach vorn links, gut eingelaufen und Schuss flach ins rechte lange Eck der Goppelner zum 2:0. Diesmal allerdings von Stefan. Nach einer Viertelstunde kamen die Gäste in rot besser ins Spiel. Rotation immer noch mit den technisch besseren Anlagen, Goppeln kämpfte sich nach vorn. Lange Bälle oder mit dem Leder am Fuß im 40-Meter-Sprint. Irgendwie so sah das aus. Mit "Spiel" hatte das zwar weniger zu tun. Aber man hielt jetzt gegen und mit. Rotation blieb im Spiel nach vorn aber gefährlich. In der 18. Minute pfiff der gut leitende - ja, muss man auch mal sagen - Schieri eine Abseitsposition der Rotationer zurück. War gut sichtbar, macht aber nicht jeder. Respekt. In der 19. Minute knallte Nico den Ball an die Querlatte der Gastgeber. Da hatten die Schwein. Deren Feldspieler-Keeper wäre dort nicht rangekommen. Wieder zwei Sechzigsekünder danach parierte Marco mit Riesenreflex einen Schuss von Rotation. Klasse. In der 35. Minute wiederholte Maik die Aktion von Nico und kloppte den Ball ebenfalls an die Latte von Rotation. Gibt's doch nicht! Doch. Gleich im Anschluss eine Ecke, die Nico mit absoluter Präzision Richtung Tor köpfte. Wo ging das Leder hin? Dreimal darf man raten: An die Querlatte. Sowas kann man nicht im Training üben. Aus dem Zuschauerbereich erscholl ein lautstarkes "Macht doch mal das Tor größer". Ja, wenn es so einfach wäre. Kurz vor der Pause wieder ein Riese aus Nahdistanz für Rotation, den Marco erneut glänzend entschärfte. Wegen der besseren Spielanlage ging es mit der nicht unverdienten 2:0-Führung für die Gastgeber in die Kabine. Goppeln hatte wieder den Start verpasst und ist dann drei Mal an der Querlatte gescheitert. 

Die zweite Hälfte war kaum drei Minuten alt, als die Glatze aussichtsreich am kurzen Pfosten der Gastgeber zu einer Chance kam. Ging nicht rein. Rotation spielte nach wie vor präziser, hatte auch Gelegenheiten, die aber nichts zur Ergebnisänderung beitrugen. Ab der 67. Minute wurde es aber wieder spannend. Endlich konnte sich die Glatze mal entscheidend durchsetzen und von links den Anschlusstreffer erzielen. Nur noch 1:2. Na bitte, geht doch. Rotation wurde nervöser, Goppeln wollte jetzt den Ausgleich. Allein der Spielaufbau war eine Katastrophe. Während die Gastgeber im Mittelfeld zwei, drei Stafetten an den eigenen Mann brachten, blieben die Goppelner beim erfolglosen Kick-and-Rush. Trotzdem lag das Übergewicht jetzt bisschen bei den Roten. Reichlich Gelaber auf beiden Seiten mit den eigenen Kumpels. Aber nichts, was im Altherrenspiel Panik verursacht. In der 79. Minute dann eine Unaufmerksamkeit bei Goppeln bei einem im Grunde harmlosen Einwurf für Rotation. Die eingeworfene Bogenlampe ging Richtung Elfmeterpunkt. Dort stand wieder Kemple mutterseelenallein und netzte am verdutzen Marco vorbei zum 3:1 für Rotation. So ist Fußball. Nahe dran und dann der Rückschlag. Egal. Jetzt erschienen die Goppelner "Junggesellenverabschieder-Schlachtenbummler" am Spielfeldrand. Die Glatze brauchte einige Zeit um zu realisieren, dass die seinetwegen gekommen waren. Umtrunkwütig und bereit für jede Hänselei. Das "Opfer" nahm deshalb Fahrt auf. In der 83. Minute ließ er sich in Gegners Strafraum legen. Klarer Elfer, wenngleich der Sünder lautstark das Gegenteil behauptete. Das überraschte aber keinen, auch nicht den Schieri. Unten links durch den Gefoulten versenkt. Galt aber nicht. Henne war zu zeitig losgelaufen. Wiederholung. Wieder unten links rein. Jetzt aber das 3:2. Goppeln wollte den einen Punkt, Rotation keinen mehr hergeben. Ungestümes Anrennen gipfelte schließlich in nur noch einer wirklichen Chance: In der Nachspielzeit hatte die Glatze im Rotations-Strafraum den Ausgleich auf dem Schlappen und schoss den Hüter an. So blieb es am Ende beim insgesamt nicht ganz unverdienten 3:2 für Rotation. Wegen der besseren Balltechnik und so etwas wie Struktur im Spiel. Anders als manch Zuschauer, der im dritten Gegentor des Übels Wurzel sah, meine ich, die beiden verschlafenen Tore zu Spielbeginn haben uns heute Zählbares gekostet. So wurde es heute ganz anders, weil knapp. Es blieb aber auch alles wie es war: Goppeln bemüht, der Gegner gewinnt.               

Fazit: Wir können nicht gewinnen. Wer unsere Spiele sieht muss feststellen, dass wir wir nicht in der Lage sind, mal zwei drei Bälle aus der Abwehr über das Mittelfeld nach vorn zu transportieren. Kaum, dass mal zwei Goppelner hintereinder Ballkontakt hatten, ohne das Leder an den Gegner zu verlieren. Jeder gibt sich Mühe, kämpft, pflaumt den Mitspieler an, motiviert selbigen wieder. Aber ohne Struktur im Aufbauspiel sieht es immer aus wie ein Hühnerhaufen, der die Bälle nur von hinten nach vorn drischt. Dort hilft der liebe Gott oder ein Gegenspieler, der das Ding nicht unter Kontrolle bringt. Kommt leider zu selten vor. Da muss man als Zuschauer schon recht leidensfähig sein. Dem Mittelfeld alle Schuld zu geben, ist verkehrt. Wenn das Ding immer von hinten nach vorn und zurück unterwegs ist, schaut man als Zentraler immer doof aus der Wäsche. Wir schätzen wirklich alle die Leistung der Truppe, die sich da hinstellt. Überhaupt keine Frage, wir gehören doch zusammen. Nur wenn wir als Team nicht wieder lernen, den Ball mal gradlinig über mehrere Station zu spielen, wir uns dafür auch in Position bringen, werden wir keinen Blumentopp gewinnen. Und ja, wir brauchen auch den Mut, das auszuprobieren. Egal, ob es schief geht. Wenn wir den Ball unter dem Vorwand, ja keinen Fehler zu machen, nur weghauen, agieren wir weiterhin nur nach dem Zufallsprinzip. Nach aller Kritik an den Schiedsrichtern der letzten Partien muss man heute wirklich konstatieren, dass der Sportfreund heute sehr gut gepfiffen hat. Fouls hüben wie drüber wurden gepfiffen, ansonsten mit Geschick und Fingerspitzengefühl Schärfe in der Partie gar nicht erst aufkommen lassen. Sehr gut. Positiv ist auch zu vermelden, dass die Rotationer schon ziemlich verdutzt aussahen, als trotz Niederlage inbrünstig das Goppelnlied intoniert wurde. So soll es sein. Auch wenn es diesmal vorwiegend dem Opfer der Junggesellenrunde galt. Wir haben eben immer noch Spass am Kicken. Und die illustre Runde, die sich anschließend auf den Weg machte, um die Glatze ordentlich vorzuführen und abzufüllen, wird erst recht ihren Spass gehabt haben. In diesem Sinne: Prost und möge die Verbindung ewig halten! Auch die zum Sportverein. ;-)

Aufstellung: Scheffel - Schwarz, Leonardi (73. Zastrow-Mann), Auerswald, Zschiedrich - Sandig, N., Sandig, M. (59. Grahnert), Gehl, Oertel - Richter, Müller

Tore: 1:0 Kemple (9.), 2:0 Stefan (12.), 1:2 Richter (67.), 1:3 Kemple (79.), 2:3 Richter (83./FE)

Bericht: Falk Lösch